Maskenpflicht natürlich!

Im Rahmen der Nachhaltigkeit (https://www.sustainability.uzh.ch/de) möchten wir gerne ein Zeichen setzen. Deshalb bieten wir ab dem 6. April Masken andie biologisch wiederverwertbar den natürlichen Weg des Vergänglichen gehen.  Die Masken sind gesponsort von der UZH, das Angebot ist begrenzt. Bitte reservieren Sie diese Maske unter Maskenpflicht natürlich! – verlieren Sie möglichst keine Zeit. 

Bitte schicken Sie uns ein Bild Ihrer Bemühungen via Twitter. Für’s Urban Gardening werden unter den witzigsten Einsendungen echte Samenpäckchen verlost, wo dann auch was wächst …  

50 Jahre Frauenstimmrecht – schon wieder so ein Jubiläum?!

Erinnerungen und Gedanken einer (knapp) Ü65

Ich war ziemlich genau 15 Jahr alt, als die Schweizer Männer über die Einführung des Frauenstimmrechts abstimmten. Meine Grossmutter, eine resolute Frau, war überzeugte Gegnerin. Was meine Mutter dachte, daran kann ich mich nicht erinnern, vermutlich war sie eher dafür, aber gut möglich, dass sie – um Diskussionen (gleichgesetzt mit Streit) aus dem Weg zu gehen – möglichst nichts dazu sagte. Aber sobald sie das Stimmrecht hatten, gingen beide Frauen regelmässig und mit grösster Selbstverständlichkeit an die Urne.

Auch an andere – heute fast nicht mehr vorstellbare Diskussionen – kann ich mich noch lebhaft erinnern. Ich war ca. 16 Jahre alt, als heftig über das Konkubinatsverbot (kennen Sie das Wort noch?) bzw. dessen Aufhebung diskutiert wurde.

Oder stellen Sie sich vor: Weil ich nach der Sekundarschule ins Mathematische Gymnasium wechseln wollte, musste ich als Mädchen ein Gesuch stellen, damit ich anstelle der Handzgi (Nähen von Schürzen, Stricken von Socken und Häkeln von Schoppenwärmern!) mit den Buben deren zusätzlichen Geometriestunden besuchen durfte (der Schoppenwämer blieb deswegen zwar ein unvollendetes Werk, aber meine beiden Kinder sind trotzdem gross geworden).

In der Studienzeit war dann schon vieles anders, aber auch in dieser Zeit gab’s noch wundervoll hitzige Diskussionen über die «Natur» der Frau (was eher mit «beschützenswert» als «kämpferisch» gleichgesetzt wurde) und den zum Geschlecht gehörenden bzw. passenden Eigenschaften. Meine Argumentation, dass sich diese «Natur» ja auch ohne äussere Zwänge durchsetzen würde und es daher absolut «ungefährlich» wäre, Mädchen/Frauen – und auch Buben/Männern – die Möglichkeit zu geben, sich gemäss Ihren persönlichen Fähigkeiten und Eigenheiten zu entwickeln, statt nach irgendwelchen geschriebenen oder ungeschriebenen Regeln, fand nicht immer Gehör.

Später erlebte ich dann Situationen, in denen Männer sich nicht mehr getrauten ihre Meinung frei zu sagen, weil das Thema als «wichtig für Frauen» eingestuft war und sie befürchteten, kritische Fragen oder Bemerkungen zum Thema könnten als «frauenfeindlich» empfunden werden.

Und irgendwann wechselten plötzlich Spielsachen ihre Farben – zum Beispiel von geschlechtsneutral gelb/rot zu rosa/weiss. Und bei Erwachsenen wurden wieder vermehrt «männer- oder frauenspezifische» Sichtweisen hervorgehoben, statt einfach «persönliche» Sichtweisen – was mir besser zusagt.

Diese kleinen Erinnerungen zum Thema Gleichberechtigung sind natürlich persönlich gefärbt. Auch die Vorstellungen von Gleichberechtigung und die Haltungen dazu sind sehr unterschiedlich sowie einem stetigen Wandel unterworfen. Was vor 50, 40, 30 Jahren noch mehrheitlich als normal und gerecht empfunden worden ist, kann heute Kopfschütteln oder Schmunzeln auslösen. Und was wir heute als gerecht akzeptieren löst vielleicht in 20, 30, 40 Jahren Kopfschütteln oder Schmunzeln aus?

Auf jeden Fall bleibt es eine spannende Herausforderung gesellschaftliche, politische und gesetzliche Lösungen anzustreben, welche mehrheitlich als gerecht empfunden werden – zumindest zurzeit. Der Blick zurück – und damit schliesst sich der Kreis – auf diese wichtige Abstimmung vor 50 Jahren und die Auseinandersetzung mit den damaligen, so ganz anderen, gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, kann dabei helfen, indem es unseren Horizont erweitert und dazu beiträgt, den Blick für Ungerechtigkeiten zu schärfen.

Literatur zum Thema finden Sie u.a. auch in der RWI-Bibliothek (Schlagwortsuche: Frauenstimmrecht Schweiz, Filter: RWI-Bibliothek).

Und in Worblaufen in der Nähe von Bern, gibt es ein spezielles Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, die Gösteli-Stiftung: https://www.gosteli-foundation.ch/de

Die UZH widmet dem Thema dieses Semester eine Ringvorlesung : https://www.uzh.ch/cmsssl/de/outreach/events/rv/2021fs/uzhi-frauenstimmrecht.html

Das Zentrum für Demokratie in Aarau (https://www.zdaarau.ch/) befasst sich an den diesjährigen Demokratietagen mit dem Thema Frauen und Politik.

Das Landesmuseum spannt in seiner aktuellen Ausstellung den Bogen noch weiter: Von der Aufklärung bis zur Gegenwart: https://www.landesmuseum.ch/frauenrechte

 

Mit diesem Blogbeitrag verabschiedet sich unsere langjährige Fachreferentin für Öffentliches Recht.

Fake News

Der Begriff «Fake News» ist zurzeit in aller Munde, aber was genau versteht man darunter? Gemäss Duden handelt sich dabei um Falschmeldungen, die in den Medien und im Internet (insbesondere in sozialen Netzwerken) in manipulativer Absicht verbreitet werden.

Schon lange bevor es Internet und soziale Medien gab, wurden Unwahrheiten erzählt, um Menschen zu beeinflussen und um politische Ziele durchzusetzen. So folgten beispielsweise in den Jahren 2002/03 fast sämtliche führenden US-Medien der Argumentation der Regierung von George W. Bush, wonach der Irak Massenvernichtungswaffen besitze und Saddam Hussein an der Planung der Anschläge vom 11. September 2001 beteiligt gewesen sei. Heute wissen wir: Die Angaben waren alle falsch. Es gab keine Beweise. Es gab keine irakischen Massenvernichtungswaffen.

Und auch wenn es «Fake News» schon immer gab, ist die rasante, noch nie dagewesene Verbreitung einzigartig. Die technische Entwicklung und die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft verstärken sich gegenseitig. Wenn sich zwei Gruppen unversöhnlich gegenüberstehen und kein echter Meinungsaustausch mehr stattfindet, steigt damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass nur noch das gehört wird, was der eigenen Sichtweise entspricht, und irgendwann spielt es überhaupt keine Rolle mehr, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Hauptsache es werden gleiche Ansichten wiedergegeben. Trotz einfach zu widerlegenden Lügen können verblüffende, politische Erfolge erzielt werden. Dies ist uns spätestens seit dem Brexit-Referendum und Donald Trump schmerzhaft bewusst.

Durch «Fake News» verstärkt sich auch häufig das Misstrauen gegenüber Regierungen und Massenmedien. Deshalb werden Informationen häufiger auf alternativen Kanälen gesucht. Die Auswertungen einer Studie der Universität Oxford zeigen, dass falsche Informationen im englischen Raum bei Facebook viermal sooft geteilt, kommentiert oder «geliket» werden als verlässliche Quellen. In Deutschland verbreiten sich «Fake News» auf Facebook sogar 6-mal schneller.

Nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass «Fake News» äusserst lukrativ sind, denn sie generieren mehr Klicks und somit mehr Aufmerksamkeit und eine längere Verweildauer.

Welche Möglichkeiten haben wir, um «Fake News» zu entlarven? Zuerst gilt es, die Quelle, den Autor und das Impressum zu überprüfen. Dann macht es Sinn, die Zeitschiene bzw. den zeitlichen Ablauf und die Datumsangaben zu kontrollieren. Gerade Bilder haben eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf uns. Dies hat unter anderem die holländische Studentin Zilla van den Born in einem eindrücklichen Uni-Projekt bewiesen. Mittels «gefotoshoppten» Fotos auf sozialen Netzwerken und gefälschten Skype-Calls täuschte sie ihrem Umfeld einen Urlaub vor. Ziel war es aufzuzeigen, wie wenig die virtuelle Welt mit der realen Welt zu tun haben muss, und wie einfach es ist, mittels Bilder zu manipulieren.

Daher möchten wir auch TinEye nicht unerwähnt lassen. Auf dieser Homepage kann man herausfinden, wann und von wem ein Foto zuerst im Internet veröffentlicht wurde, und ob es im Laufe der Zeit verändert wurde.

Es ist an der Zeit, dass wir uns vertieft mit diesem Thema auseinandersetzen, daher haben auch die öffentlichen Bibliotheken in der Schweiz begonnen, Schüler*innen mittels dem «Fake Hunter» für dieses Thema zu sensibilisieren.

Auch in der RWI-Bibliothek gibt es Werke zu diesem Thema:

Smartphone-Demokratie: Fake News, Facebook, Bots, Populismus, Weibo, Civic Tech von Adrienne Fichte (Signatur Sd 280)

Elektronische Medien im «postfaktischen» Zeitalter vom Österreichischen Rundfunkforum (Signatur Neh 37)

Fake News, Wahrheit und Regulierung von Antonia Hartmann, In: Digitalisierung – Gesellschaft – Recht (Signatur Byy 44 : 20)

Und zu guter Letzt möchten wir auch noch auf die empfehlenswerten Netflix-Dokus «Das Dilemma mit den sozialen Medien» und «Cambridge Analyticas grosser Hack» hinweisen.

“Fight for the things that you care about, but do it in a way that will lead others to join you”

Zitat von Ruth Bader Ginsburg

Es war kein Zufall, dass wir für unsere erste öffentliche Vereinsveranstaltung im Oktober 2019 den Film mit dem Titel  RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit wählten. Mit der Filmvorführung wollten wir aufzeigen, wieso es sich lohnt sich für Gleichstellungsfragen, LBTQIA+ Anliegen und Feminismus in den Rechtswissenschaften einzusetzen. Um potentiell interessierte Mitglieder für unseren neu gegründeten Verein F.IUS (Feministisch Ius) zu gewinnen, schien uns die kürzlich verstorbene US-Supreme Court Richterin Ruth Bader Ginsburg, die mit ihren juristischen Fähigkeiten keine Herausforderungen scheute, sich progressiv für die Gleichstellung insbesondere von Frauen* einzusetzen, das perfekte Beispiel und die ideale Motivation zu sein. Motivation genug, um an den althergebrachten Machtstrukturen in den Rechtswissenschaften zu rütteln oder diese mindestens zu hinterfragen.

Zuvor hatte uns ein Informationsanlass zum nationalen Frauen*streiktag im Sommer 2019 gezeigt, was jede von uns Vereinsgründerinnen schon längst vermutet hatte: In den Schweizer Rechtswissenschaften fehlt es bis heute an einer bewussten Sensibilisierung in Bezug auf Gleichstellungs- und Geschlechterfragen. Erstens haben sich in der rechtswissenschaftlichen Forschung und Lehre weder Perspektiven der Legal Gender Studies noch feministische sowie intersektionelle Anliegen durchgesetzt. Zweitens fällt es Juristinnen* in der Praxis, obwohl im Studium in der Mehrzahl, immer noch schwer, sich hoch an die Spitze einer Kanzlei, eines Gerichts oder einer Universität zu arbeiten. Insbesondere diejenigen Frauen*, die Kinder haben oder sich diese wünschen müssen mit Hindernissen bei der Vergabe von Forschungsstipendien oder bei der Stellensuche zur potentiellen Partnerin*, Richterin*, Staatsanwältin* oder Lehrstuhlinhaberin* rechnen. Schließlich trägt das bewusste Wegschauen, Tabuisieren und Bagatellisieren der eben erwähnten Problemen dazu bei, dass Jurist*innen als Zuschauer*innen anstatt als Akteur*innen die juristische Bühne oftmals Männern* überlassen müssen oder sich deren Regieanweisungen beugen.

Aus diesen Gründen sind wir von F.IUS der Meinung, dass der zweite nationale Frauen*streiktag nicht als einmalige Aktion diesen Status quo hinterfragen sollte. Ganz im Gegenteil; wir wollen eine nachhaltige Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Perspektiven in den Rechtswissenschaften, speziell am RWI, schaffen. Eine Möglichkeit bietet die Aufnahme der Legal Gender Studies im Curriculum des Jus-Studiums. Diese Strömung innerhalb der Rechtswissenschaft setzt sich insbesondere mit der (Rechts-)Kategorie «Geschlecht» und mit den Beziehungen zwischen den Geschlechtern auseinander. Im Zentrum der Betrachtungen stehen die Themen Gleichheit, Differenz und die Konstruktion des Geschlechtsverhältnisses – Geschlecht bildet demnach nicht nur eine «biologische Tatsache», sondern vielmehr ein gesellschaftliches Ordnungsprinzip. Geschlecht erscheint als sozial (also u.a. durch das Recht) konstruierte Kategorie, mit deren Hilfe Macht und Herrschaft organisiert werden und bestehende Hierarchien zwischen Männern* und Frauen* hergestellt bzw. aufrechterhalten werden. Diese kritische Auseinandersetzung mit dem bestehenden Machtdiskurs geht jedoch über die binäre Kategorie von Mann und Frau hinaus und rückt entsprechend auch die Homosexualität sowie Queer- und Transgender-Anliegen in den Fokus. Auch gehört zu einer solchen Perspektive zweifellos die intersektionale Betrachtung des Feminismus, das heisst die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Erfahrungen von Mehrfachdiskriminierungen –- sei dies aufgrund geographischer Herkunft, sozio-kulturellem Hintergrund oder rassistischer Diskriminierung.Interessierten Nachwuchsforschenden und Studierenden bietet F.IUS im Herbstsemester 2020 gezielt die Möglichkeit sich mit Legal Gender Studies auseinanderzusetzen und sich in diesem Thema aus- und weiterzubilden. Dazu organisieren wir am RWI eine Workshop- und Vorlesereihe mit Expert*innen, die sich in ihrer Forschung mit Genderperspektiven auseinandersetzen. Das Ziel von F.IUS ist zudem mit einem nachhaltigen und konstruktiven Engagement auf die unbefriedigende Situation für Juristinnen* in den Rechtswissenschaften aufmerksam zu machen. Dazu wollen wir mit Akteur*innen auf der juristischer Bühne in einen Dialog treten, um unsere Anliegen sichtbar zu machen. Schliesslich wollen wir all denjenigen Personen, welche die dominierende Geschlechter- und Machtordnung in den Rechtswissenschaften kritisch hinterfragen, eine Plattform für Ideen, Austausch, Fragen und Lösungen bieten. Dies soll eine kritische Debatte über die Art und Weise, wie die Rechtswissenschaften an den Universitäten gelehrt werden und wie diese die juristische Praxis beeinflussen, ermöglichen.

F.IUS freut sich über potentiell interessierte Mitglieder und Personen, die uns kennenlernen wollen. Komm an unseren monatlichen Stammtisch (nächstes Datum 5. Oktober 2020), schreibe uns bei Interesse an unserem Verein eine Email oder verfolge unsere Aktivitäten auf Twitter. Es hat zudem noch einige wenige Plätze frei am 30. Oktober 2020 im Rahmen unserer Legal Gender Studies Workshop- und Vorlesereihe. Bist du interessiert an einer Teilnahme? Schreibe uns an verein.f.ius@gmail.com.

Der Blog-Eintrag wurde verfasst von Marisa Beier (Präsidentin von F.IUS sowie wissenschaftliche Assistentin und Doktorandin am Lst. für öffentliches Recht von Frau Prof. Dr. Regina Kiener, RWI).

Für die tollen Inputs und Anregungen bedanke ich mich bei Arezoo Sang Bastian (Vize-Präsidentin F.IUS), Nicole Nickerson, Youlo Wujohktsang sowie Julia Meier (Vorstandsmitglieder F.IUS).

Wir sind wieder da!

Liebe Leserinnen und Leser 

Normalerweise verabschieden wir uns um diese Zeit mit einem Artikel und einer Vitrine in die Sommerpause. Dieses Jahr ist es – wie so vieles – mal anders. Lange Zeit war es still auf diesem Kanal, was natürlich mit dem Corona-Lockdown zusammenhing. Inzwischen läuft das Leben nach Corona wieder an und auch wir melden uns wieder zurück – mit einem etwas ausführlicheren Artikel, als Sie es vielleicht sonst von uns gewohnt sind.  

Stille im Blog bedeutet aber nicht, dass die Bibliothek stillstand während der letzten 3 Monate. Im Gegenteil – hinter den Kulissen ist sehr viel passiert, von dem wir Ihnen hier einen kleinen Überblick geben wollen. Zudem haben wir uns im Blog-Team die Frage gestellt, was jeder einzelne von uns aus der Corona-Lockdownphase mitnimmt und wie er oder sie ihre tägliche Bibliotheksarbeit in dieser Zeit erlebt hat. Die Antworten wollen wir Ihnen nicht vorenthalten und Sie finden sie weiter unten im Text. 

Hier ganz grob skizziert ein paar Dinge, die während des Lockdowns in der Bibliothek passiert sind: 

  • Unterhalts- und Reinigungsarbeiten wurden vorgezogen, so dass wir auf unsere traditionelle Schliessung im Juli verzichten werden. 
  • Die Bibliothek war im sog. Notbetrieb immer mit mind. 3 Personen besetzt. Die übrigen Mitarbeitenden befanden sich im Homeoffice. 
  • Wir haben für Benutzende Scanaufträge ausgeführt. 
  • Corona-Schutzkonzepte wurden entwickelt, umgesetzt und bei Bedarf angepasst. 
  • Viele Mail wurden beantwortet und Lösungen für Zugänge wegen Fallbearbeitungen gefunden. 
  • Das Einrichten von Remote-Zugängen für Datenbanken wurde aufgegleist. Hier kommt eine neue Herausforderung auf uns zudiese Zugangsprivilegien sind nach dem Lockdown wieder weg. 
  • Die Zugänge via Buchungstools wurden aufgegleist – der administrative Aufwand im Hintergrund ist nicht zu unterschätzen. 
  • Parallel dazu liefen Projekte wie UBZH/AUB und Alpzug weiter. 
  • Wie alle anderen auch: Wir durften neue Software wie Teams und Zoom erleben. 

So, und jetzt unsere persönlichen Erfahrungen in der Reihenfolge des Beitagsbildes von Links oben im Uhrzeigersinn nach Links unten.

Tanja:
Zum Glück konnte ich mich gerade noch wortwörtlich in aller letzter Sekunde mit all den Unterlagen eindecken, die ich für den Homeoffice brauchte.  Da ich drei schulpflichtige Kinder habe und nun die ganze Familie zu Hause war, war mir klar, dass ich den Alltag stark strukturieren muss. Arbeit und Freizeit bewusst trennen. Ganz ehrlich, ich war erstaunt wie gut es ging! Ich bin definitiv Mrs. Homeoffice und so seltsam es klingen mag, durch das bewusste Fokussieren auf die schönen kleinen Dinge hatten wir zwar eine intensive, aber wirklich gute Zeit während des Lockdowns. Via Teams und Zoom war ich in regelmässigem Austausch mit meinen KollegInnen. Und weil ich mich in dieser Zeit auf die Umsignierung im Europa- und Völkerrecht fokussierte, war es für mich überhaupt kein Problem von zu Hause aus zu arbeiten. Dank dem Wegfall der mir lästigen Pendlerei im überfüllten ÖV  (juhee!), hatte ich am Abend sogar Zeit, mich kurz auf’s Fahrrad zu schwingen und meine Wohngegend besser kennenzulernen.  

Irene:
Deus Ex Machina – oder wie mir der Lockdown zu neuen Erkenntnissen verholfen hat. So ähnlich könnte der Titel meiner Corona-Biographie oder auch eines Corona-Romans lauten, sollte ich beschließen, ein solches Werk über diese doch turbulenten Wochen zu verfassen. Inhalt wäre genug vorhanden. Da wäre zum Beispiel das Hervorkramen meiner doch schon etwas in die Jahre gekommenen Webcam – ein hardwaretechnischer Krimi sondergleichen. Erkennt mein Betriebssystem (technisch als auch psychisch) die Webcam? Funktioniert die Kamera? Angelehnt an Mani Matters  “I han es Zündhölzli azündt” malte ich mir die verschiedensten Szenarien aus. Glücklicherweise funktionierte sie aber noch – und mein selber zusammengebauter PC stellte tapfer die erhoffte und sehr wertgeschätzte Verbindung zu meinen Kollegen und Kolleginnen dar. Durch mein Interesse an der Technik und mein Bachelorstudium Informationswissenschaften bin ich in der glücklichen Lage, bereits mit allerlei Hard- und Software ausgestattet zu sein; was mir wiederum mehrmals in Erinnerung rief, wie ich vorgängig zu Corona diese Dinge als selbstverständlich angesehen habe.
Normalerweise bin ich ein Geisterpendler – ich bin gerne frühmorgens unterwegs, wenn die Trams und Züge leer – bis halbleer sind. Die Ruhe gibt mir die nötige Basis für einen energiereichen und produktiven Arbeitsalltag. Während des Pendelns habe ich mich ab und zu dabei erwischt, wie ich gerne einmal Homeoffice ausprobieren möchte. Jetzt – post-Homeoffice – kann ich mir Homeoffice als Standard nicht mehr vorstellen. Viele kleine Dinge habe ich im Homeoffice vermisst. Das Vorbeifahren und Grüßen des immer gleichen Lastwagens an der Technikumstrasse in Winterthur, das Grüssen des Taxifahrers am Bahnhof, das Zwitschern der Spatzen, die kühle Morgenluft, das “etwas-ausser-Atem-sein“ nach einem erfolgreichen Sprint auf den bereits seine Türe schließenden Zug. Theoretisch könnte ich einen nicht wirklich geringen Arbeitsanteil zuhause erledigen; dies wären zum Beispiel die Fernleihe, die Verwaltung und Datenbearbeitung von Medien in einem Literaturverwaltungsprogramm oder Troubleshooting.  Diese Aufgaben habe ich auch während meiner Corona-Homeoffice Zeit sehr gut erledigen können. Was mir jedoch jetzt und heute im Gegensatz zu 3 Monate BC (before Corona) bewusst ist – mir fehlten die Menschen und die Gesichter. Eben die kleinen Dinge im Leben. Darum freue ich mich umso mehr, wieder ab sofort für Sie vor Ort zu sein! 

Bettina: 
Homeoffice, als Einzige in der Familie, anfangs dachte ich, toll, das ist die Gelegenheit, viel mehr aus meinem Tag holen zu können: eingesparter Arbeitswege, ruhiger Arbeitsplatz und flexibles Zeitmanagement sei Dank. Weit gefehlt, am Abend war die Küche immer noch nicht aufgeräumt und da ich immer da war, wurde die Wohnung nicht sauberer, im Gegenteil. Der Kopf, rastlos arbeitend, viel zu viel, woran noch gedacht werden muss. Keine “reguläre” Arbeit, alles Corona-Spezial von Schutzkonzepten, Anmeldeslots, Dienstleistungen wie Scannen und Teamsitzungen bis zu Sorgen, wie das nur weitergehen soll.  Ich musste es erst lernen: Homeoffice und Abschalten, Büro und Daheim – je länger je mehr habe ich aber gelernt, dies bewusst und aktiv zu praktizieren und trennen. Ich muss aber immer noch aufpassen. Sitzungen in Teams und Zoom – in hoher Taktfrequenz – alle haben gelernt, mit neuen Kommunikationsformen umzugehen, jetzt mittlerweile Selbstverständlichkeit, pünktliche Sitzungen, fokussiert, klarregelmässig und direkter. Früher alles eher abgelehnt, da frage ich mich heute, warum eigentlich? Die Distanz hat mich vieles gelehrt: Achtsamkeit. Tragischerweise frage ich mich auch, warum es Corona gebraucht hat, um wieder einmal mehr Wertschätzung zu fühlen, dass ich doch eigentlich einen schönen Beruf habe (zumindest meistens und immer noch) und sogar wieder gerne auch solchen Menschen begegne, die mir früher vielleicht einfach zu viel warenauch hier zumindest meistens ;-). 

Elisabet: 
Jede Woche hat eine neue Laune bei mir hervorgerufen. Anfangs hatte ich das Gefühl, von wichtigen Gesprächen und Abmachungen ausgeschlossen zu sein – was sich nicht bestätigt hat. Positive Erlebnisse hatte ich v.a. in kurzen Video-Gesprächen, auch mit mir bisher unbekannten Personen, die zu einem besseren Verständnis führten als ein normales Telefonat. Trotzdem fuhr ich einmal die Woche ins Büro, um das Telefon abzunehmen, die Bibliotheks-E-Mail zu betreuen und allgemein den Bibliotheksservice aufrechtzuerhalten. Ich freue mich sehr, dass wir wieder einen halbwegs normalen Bibliotheksbetrieb haben (vor allem, weil ich dann nicht mehr so viel scannen muss)! 

Paul:
Meinem Instinkt folgend, kaufte ich noch kurz vor Türschluss einen neuen Rechner.  Der letzte Moment vor dem Lockdown – alles zu. Das häusliche Einrichten ging eigentlich gut von statten. Ich gewöhnte mich daran, aus immer wieder anderen Situationen zu arbeiten. Vom gemeinsamen Schreibtisch zum Küchentisch und wieder zurück. Teams und Zoom sind geile Instrumente zur Kontaktpflege mit den Anderen. Aber die meiste Zeit ist man halt allein, arbeitet vor sich hin, fragt sich, ob man wirklich das Richtige macht. Manchmal stundenlang am selben Problem hängengeblieben. Die Fragen von Benutzern oder Mitarbeitern waren da fast das Salz in der Suppe während dieser Zeit. Die Erfahrung war eher ambivalent, Licht und Schatten. Auf jeden Fall begrüsse ich es, dass es wieder die Möglichkeit gibt, vor Ort im Institut zu Arbeiten – Wir sind wieder da. 

Maryam:
Am 12. März habe ich mit leicht gemischten Gefühlen einige Unterlagen und meinen Laptop zusammengepackt und bin ins Homeoffice gezogen, wo ich mich bis Anfang Juli immer noch befandNach dem ersten Wochenende war ich geradezu aufgekratzt und hatte die euphorische Vorstellung, hier all die Dinge erledigen zu können, für die im Büro oft keine Zeit blieb. Nun, weit gefehlt – die meisten Unterlagen werde ich unangetastet und mit einer Staubschicht versehen demnächst wieder zurück an die UZH tragen  – was jetzt nicht heissen soll, dass ich in der Zeit nichts getan hätte, im Gegenteil.  Es war eine ausgesprochen arbeits-intensive  ZeitFlexibilität und Agilität im Denken waren gefragt, das schnelle Erlernen des Umgangs mit neuen Tools, aber auch das klare Abgrenzen und bewusste AbschaltenIch habe viele neue Spazierwege in meiner Umgebung entdeckt – und fast vergessen, wie Pendeln geht. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf, wieder in der Bibliothek zu sein.